
Ausbildungsprojekt in Sarajevo
Das Supervisionstraining
Supervisions-Ausbildung in einem HOG-Projekt – damit haben Neuland betreten, denn wir konnten nicht auf ähnliche Vorerfahrungen zurückgreifen. Unsere Aufgabe bei HOG war es, ein Konzept für ein Supervisions-Training zu entwickeln, das unseren Ausbildungs-Ansprüchen genügen sollte und dem, was vor Ort in Bosnien möglich und leistbar war. Letztendlich haben wir im Verlaufe der Projektjahre immer wieder die nächste Etappe konkret geplant, den Kurs der Ausbildung korrigiert und den Bedingungen angepasst.
Zunächst galt es, uns einen Eindruck über den Kenntnisstand der bosnischen KollegInnen zu verschaffen, hatten sie doch unterschiedliche Grundausbildungen absolviert: bei den englischen und niederländischen KollegInnen. Außerdem war die Praxiserfahrung sehr unterschiedlich. Manche praktizierten seit Jahren recht viel, andere eher hatten eher eine kleine Praxis.
Das Supervisions-Training lässt sich in 3 Etappen beschreiben:
1. Wir starteten mit Supervision von Praxisfällen im Rahmen der allmonatlichen Teacher-Trainings, (2004 –Mitte 2005).
Die Teilnehmenden erlebten sich also zunächst ausschließlich als Supervisand: sich zeigen mit einem schwierigen Fall und die Gruppe sowie die SupervisorIn (die HOG-GastlehrerIn) um Unterstützung bitten. Das heißt ja auch: sich in die Karten schauen lassen, und dies braucht Mut und Vertrauen in die KollegInnen.
Hierbei hatten wir Gelegenheit, den homöopathischen Kenntnisstand zu erfassen, zu vertiefen und ggf. zu korrigieren. Erst dann konnte das eigentliche Supervisions-Training beginnen:
2. 2005 – 2006: Durch meinen 9-monatigen Aufenthalt in Sarajevo konnten wir eine wöchentlich stattfindende Supervisions-Lehrgruppe einrichten.
Endlich mehr Zeit und Kontinuität für die Vermittlung der Theorie der Supervision und die Reflexion der Fallbearbeitung. Die Arbeitsweise und Interventionen werden transparent gemacht. Die bosnischen KollegInnen beginnen mehr und mehr, die Rolle des Supervisors einzuüben. Die Kompetenz, auch schwierige Gruppensituationen zu meistern, nimmt zu.
3. Ab Sommer 2006: Nach der intensiven Trainingsphase mit der Lehr-Supervisorin war die Gruppe nun auf sich gestellt und übte das Erlernte im Rahmen einer Intervisionsgruppe (sprich: kollegial unter sich):
Weiterhin erleben sich die angehenden Supervisoren in beiden Rollen: das eine Mal einen Praxisfall einbringen und ein anderes Mal die Leitung der Fallbesprechung übernehmen.
Alle paar Monate kamen ein oder zwei HOG-SupervisorInnen dazu und beobachteten, korrigierten und ergänzten, und gaben, wo nötig, weiteren Theorie-Input.
Eine Woche „Generalprobe“ im Juni 2007 ließ schon einmal alle in eine prüfungsähnliche Situation kommen. Die angehenden SupervisorInnen mussten nun eigenständig einen Fall supervidieren, anschließend reflektierte die Gruppe und zeigte, dass sie inzwischen sehr professionell die Arbeit ihrer KollegInnen einschätzen konnten.
Nach einem weiteren halben Jahr des Übens und Vertiefens war die Gruppe im November 07 gerüstet zum Abschluss-Examen für den Supervisionsteil.
Sieben stellten sich der Prüfung und, wie schon vorher bei der Generalprobe, gab es jeden Tag eine oder zwei Fallbearbeitungen, und jeder Fall brauchte eine individuelle Herangehensweise und supervisorische Betrachtung und Lösung.
Geschafft! Glücklich und stolz hielten unsere sechs Kolleginnen und der Kollege ihr Diplom als Supervisor/in für Homöopathie in Händen, und wir schauten zurück auf auf 4 intensive und bewegende Jahre in diesem bisher einzigartigen Projekt.
Rosemarie Kaiser, Projektleitung








Diese Seite empfehlen: